Theater Cup Halbfinale

Elfmeterschießen mit absurden Geschichten
Beim Halbfinale im Darmstädter Mollerhaus kommen „Theater Lakritz“ und„Bemoved“ weiter
DARMSTADT. Pfiffe, Johlen und „Olé“ – im Mollerhaus herrscht eine Stimmung wie im Fußballstadion. Und dennoch klingt das hier ganz anders: Wenn ein Kleinkunstpublikum WM-Euphorie in einem Theater entfacht, hat das einen parodistischen Effekt – und schon allein das ist lustig.

Mittwochabend, Halbfinale beim ersten Darmstädter Theater-Cup-Wettbewerb. Das Objekt der Begierde glitzert im Scheinwerferlicht, gebettet auf rotem Samt. „Wer möchte ihn nicht zu Hause im Wohnzimmer haben“, sagt Conferencier Reiner Bauer mit betonter Ehrfurcht und erntet dafür nur Prusten. Genau wie der Schiedsrichter Alex Förster, der durchweg sein Pokergesicht zur Schau stellt.

Das Tanztheaterduo „Bemoved“ zeigt bei der auf Zuruf des Publikums mit „Die jungfräuliche Bratpfanne“ betitelten Geschichte vollen Körpereinsatz: Martina Heim krümmt sich und verzieht das Gesicht, während Andre Schober mit Wortwitz eine absurde Geschichte zurecht stammelt. Die jugendlichen Talente von „Die Zumutung“ dagegen müssen sich für ihr Spiel am Schauplatz Schwimmbad in ein Wechselbad der Gefühle begeben: Auf Bauers Zurufe folgt da auch mal „Lust“ auf „Langeweile“ – engagiert dargestellt bis zum Quasi-Koitus beim Eincremen mit Sonnenmilch. Das Publikum lacht sich schlapp.

Improvisationstheater lebt von der Spontaneität, die in dem Genre unerfahrenen Gruppen werden hier um so mehr ins kalte Wasser geschmissen. Ein besonders schwerer Brocken wird den „Stromern“ unter dem Motto „Schizo“ vorgesetzt. Dabei muss jeder für den anderen sprechen und gleichzeitig seine Rolle spielen. „Meisterhaft gelöst“, lobt der Schiedsrichter.

Kritik muss dagegen das „Theater Lakritz“ einstecken für seine Tupperparty als Softporno, Western und Seemannsgeschichte: „Die Übergänge waren nicht so gut“, befindet Förster, der dafür „Buh“-Rufe erntet. Wie beim Fußball, sind die Zuschauer oft anderer Meinung.

Auch deswegen ist nach einer weiteren Runde mit rückwärts gespieltem Drama um einen Wasserkocher oder einer Oper namens „Die Zauberkröte“ ein Elfmeterschießen zwischen „Theater Lakritz“ und „Die Stromer“ nötig: Allerdings kommen hier nicht Bälle, sondern Buchstabenkombinationen zum Einsatz. Und das Publikum johlt: „Finale!“

Das Finale mit den Gewinnern „Theater Lakritz“ und „Bemoved“ ist am Freitag (7.) um 20.30 Uhr im Theater Mollerhaus. Informationen auf der Internetseite www.theater-cup.de.

Artikel des Darmstädter Echos vom 30. Juni 2006 (Alexandra Welsch)


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