Schiri meckert über Trikots Improvisationstheater: Erster Darmstädter Theatercup der freien Szene im Mollerhaus
DARMSTADT. „Hier treffen sich heute die ganzen Fußballverweigerer“ ist aus dem Publikum im Theater Mollerhaus zu hören. Doch auch beim 1. Darmstädter Theatercup regiert König Fußball, und zwar die Bühne. Sieben Mannschaften messen sich im Improvisationstheater per K.o.-Verfahren. Das Publikum entscheidet nicht nur über die Inhalte auf der Bühne, sondern per Applaus-Intensität auch über Sieg und Niederlage.
Als Sieger gingen am Freitag Die Stromer und Die Zumutung hervor, das Theaterlabor Darmstadt schied aus. In Vorrunde zwei am Samstag siegten Bemoved über das Hoffart-Theater und Theater Lakritz über Theater Profisorium. Über ein Halbfinale Ende Juni geht es im Juli ins Finale um den Darmstädter Theaterpokal.
Initiator Rainer Bauer führt als Moderator durch die Theatermeisterschafts-Abende, die unterhaltsam Elemente aus der Fußballwelt aufgreifen: „Schön ist es auf der Welt zu sein“ ist die offizielle Theatercup-Hymne, bei der auch das Publikum, auf einem Bein stehend, die Hand auf dem Herzen, mitsingen muss. Immer wieder für einen Lacher gut ist Schiedsrichter Eric Kolb, der mit Trikot, Kniestrümpfen, Pfeife und grimmigem Blick jede Darbietung kommentiert und dabei nicht selten bissige Kommentare verteilt: „Das war ja eigentlich sehr gut“, bewertet er einmal Theater Lakritz, „aber die T-Shirts gefallen mir gar nicht“. Bunt gestreifte Oberteile sind eben nicht jedermanns Geschmack.
„Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht“, muss sich der Unparteiische von den Fans für diesen Kommentar anhören. Wahre Fanblocks haben sich gebildet, die ihre Mannschaften in der „Theater Moller Arena“ unterstützen, wie Rainer Bauer die Spielstätte während der WM umgetauft hat. Die Zuschauer erleben pro Mannschaft mehrere kurze Improvisationshäppchen von drei Minuten, die im Anschluss bewertet werden: Punkte von null bis drei können über die Applaus-Lautstärke vergeben werden. Die Mannschaft mit den meisten Punkten gewinnt.
Besonders das Theater Lakritz überzeugt durch Spontanität, Einfallsreichtum und Wortwitz. Souverän gelöst wird etwa eine „Zwei-Kanal-Ton“-Szene. Bei jedem Kommando des Schiedsrichters müssen die Schauspieler von Deutsch zu Togolesisch und umgekehrt springen. Ungemein schnell können sie sich auf die neue Situation einstellen, springen reibungslos hin und her. Dagegen wirken die direkten Kontrahenten vom Theater Profisorium noch etwas verkrampft, auch das Hoffart-Theater muss im direkten Vergleich mit dem Tanztheaterduo von Bemoved für Schwächen im Spielablauf büßen.
André Schober und Martina Heim von Bemoved verausgaben sich vor allen Dingen körperlich. Als Schober einmal über Meerschweinchen mit Haarausfall referieren muss, übersetzt Heim das in Gebärdensprache und sorgt nicht nur wegen der ausladenden Bewegungen, sondern auch wegen ihrer Mimik für Lacher. Als Lösung für die glatzenbedrohten Nager erfindet das Duo ein Pelzkorsett für Meerschweinchen.
Das zahlreich anwesende Publikum scheint dankbar zu sein für eine pfiffig umgesetzte Alternative zur alles dominierenden Fußball-WM und quittiert die Vorrunden mit viel Applaus und schrillem Tröten aus Fußballerpfeifen. So ganz kann König Fußball derzeit eben einfach nicht ausgeblendet werden.
Die Vorrundensieger messen sich am 28. Juni im Halbfinale. Am 7. Juli kämpfen im Theater Mollerhaus die beiden Finalisten um den Theatercup.
Artikel des Darmstadtädter Echos vom 19. Juni 2006 (Simon Schuppe)
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