Schräge Vögel *

Tohuwabohu im Hinterhof

Premiere im Zwingenberger Theater Mobile: Die „Schrägen Vögel“ des belgischen Autors Marcel Cremer kommen an – Auftakt für ein regelmäßiges Junior-Programm

ZWINGENBERG. Tagein, tagaus die gleiche Langeweile. Kuckuck (Julia Schlipf) und Mantel (Jan Hiß) wohnen irgendwo in einem Hinterhof, schlafen in einem ungemütlichen Altpapiercontainer inmitten zahlloser ausgedienter Schuhe und essen Baguettebrot mit Ketchup. Aus lauter Überdruss angeln sie mit ein paar Strümpfen als Köder in der Luft herum, starren auf den leeren Fernsehbildschirm und basteln Flugzeuge aus Zeitungspapier.

Sie streiten sich gerne und oft, dementsprechend verwüstet sieht die Bühne nach kurzer Zeit aus: Obstkisten fliegen herum, Kissen liegen auf dem Boden, das ungezügelte Spiel mit einer Gießkanne verwandelt den Wohnraum in eine Rutschfläche. „Schräge Vögel“, ein Theaterstück des belgischen Autors Marcel Cremer, erzählt vom drögen Alltag zweier Streuner, die sich schwer damit tun, aus eingefahrenen Strukturen auszubrechen. Erst langsam sind sie in der Lage, ihr Tohuwabohu hinter sich zu lassen, sich von ihrer Fantasie leiten zu lassen und neu zu beginnen.

Im Zwingenberger Theater Mobile ist die Inszenierung mit Ensemblemitgliedern der Partnerbühne Theater Lakritz aus Darmstadt zu sehen. Regisseur Björn Lehn erklärt, dass mit dem Stück der Startschuss für ein regelmäßiges Kindertheaterangebot im Theater Mobile fällt. Die erste Eigenproduktion dafür soll den dritten Programmpfeiler neben Sprech- und Tanztheater etablieren. „Bislang hatten wir um die Weihnachtszeit oder sporadisch vormittags Gastspiele, die sehr gut besucht waren“, erzählt Björn Lehn.

So sei das Theater ermutigt worden, eigene Stücke zu realisieren. Das Besondere an der ersten Eigenproduktion ist, dass eine vierte Klasse der Zwingenberger Melibokusschule die Inszenierung als Patenklasse begleitet. Die gut zwanzig Schüler durften eine Probe besuchen, eine Stunde Schauspielunterricht erleben und das Umfeld der Produktion mitgestalten. Im Kunstunterricht entstanden Bilder, die während der Aufführung im Hintergrund durchlaufen; außerdem durften die Schüler kurze Texte zum Stück schreiben, die im Programmheft stehen. „Das ist toll für das Selbstbewusstsein der Kinder“, freut sich Lehrerin Elisabeth Schmitt, die mit ihren Schülern die Vormittagspremiere gestern besuchte.

Die Kinder scheinen die zentralen Botschaften verstanden zu haben. „Auch einmal die Fantasie benutzen“, nimmt etwa Annika mit. „Man soll nicht über alles gleich so schlecht denken“, findet Hannah. Björn Lehn zeigt sich überrascht von der Auffassungsgabe der Junioren, „denn das Stück ist gar nicht so einfach“.

Artikel des Darmstädter Echos vom 27. April 2007 (Simon Colin)

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