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Zwingenberg. Es ist ein Kampf bis auf die Socken und ein Ausbruch in die große weite Welt. Zwei arme Träumer phantasieren sich durch den Alltag und planen die Flucht ins Ungewisse: ins wahre Leben. Statt sich an ein endloses Warten zu ketten - Godot lässt grüßen - brennt die Leidenschaft mit ihnen durch.
"Schräge Vögel" ist eine musikalische Clowneske, die dramaturgische Richtlinien überschreitet und sich von der Diktatur des Dialogs befreit. Ein kluger Spaß für Zuschauer ab sechs Jahren, mit dem das Mobile-Team eine eigene Sparte für Kindertheater eröffnet hat. Die Premiere überzeugte mit einer flinken Dramaturgie, spielerischer Leichtigkeit und kindlicher Überwindungskraft.
"Schräge Vögel" sind sie wahrlich, die beiden Burschen Mantel (Jan Hiß) und Kuckuck (Julia Schlipf), die im Gerümpel wohnen und sich durch die Zeit zoffen und ein wenig eintönig ihre Biografien erledigen. Zeit, das ist für sie schon der Abstand zwischen Hunger und einem Baguette mit Ketchup. Das liebenswerte Duo lebt im und vom Container, dem Wohlstandsdreck einer "ordentlichen" Gesellschaft, der sie nicht angehören und das auch nicht wollen. Sie möchten wie die Schwalben sein, frei und beweglich. Sie möchten Nester bauen und für ihre Jungen sorgen statt sich wie der Spatz ins gemachte Nest zu setzen und darin fett zu werden.
Freiheit statt Trägheit lautet die Devise. Mantel und Kuckuck träumen sich in eine fiktive Welt hinein, wo Wale in Regentonnen tauchen und sich der Altschuhcontainer in ein Flugzeug verwandelt, mit dem sie in die Großstadt fliegen. Im Unterschied zu Samuel Becketts Figuren in "Warten auf Godot" haben sich Mantel und Kuckuck nicht mit ihrer Lage arrangiert - in ihnen lodert der Wunsch, die Monotonie zu überwinden und auf eigenen, unabhängigen Füßen zu stehen.
Kinderleicht spielt das Stück von Marcel Cremer mit den Ansätzen postdramatischen Theaters, in dem eine völlig andere ästhetische Struktur herrscht: Neben der Sprache teilt sich die Story in Objekten, Geschichten und Spielszenen mit. Die Figuren reiben sich an den Widersetzlichkeiten des Lebens, das nicht als jeweilige Einheit von Ort, Zeit und Handlung existiert, sondern die kleinen, persönlichen Probleme im Kontext der großen Sinnfragen beleuchtet: Schicksal, Tragik und Zukunft als unmittelbare Erfahrung, die sich verändern lässt.
Bearbeitet wurde das Stück von Regisseur Björn Lehn, die Musik stammt von Wolfgang Vetter. Die Kostüme hat Brigitte Schumacher angefertigt, das turbulente Bühnenbild kommt aus dem Kopf von Anna Lehn. Begleitet wurde die Inszenierung von der Patenklasse des Mobile-teams, der Klasse 4a der Zwingenberger Melibokusschule, die dem Stück dramaturgisch auf die Sprünge geholfen hat: 25 Kinder haben die Proben besucht, Bilder gemalt und an der Geschichte mitgebastelt. Auch viele der Textpassagen sowie die Begleittexte stammen aus Kinderhand.
In Zusammenarbeit mit dem Darmstädter "Lakritz"-Kindertheater bietet das Mobile theaterpädagogische Vor- und Nachbearbeitungen zu den "Schrägen Vögeln" an. Auch ein Besuch im Schulunterricht ist möglich, um Mantel und Kuckuck etwas genauer auf die Schliche zu kommen. Statt sich in ihrem Schneckenhaus einzumauern, fliegen sie hinaus in die Welt. "Wir sind Schwalben, keine Spatzen." tr
Artikel des Bergsträßer Anzeigers vom 28. April 2007
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