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Japanischer Jüngling lebt seine Rachegelüste
Andreas Konrad führt im Theater Mobile das Ein-Personen-Stück „Der See von Asaka" auf
Zwingenberg. Der dunkle Vorhang öffnet sich unter leisem Trommeln und dem Klang der Shakuhachi- Flöte. Das einzige Bühnenlicht fällt auf die beiden Musiker, die, anfangs noch unabhängig voneinander, ihr Spiel vereinen und die Zuschauer im Theater Mobile mit ihrem Klang in ein fernes Land entführen: Japan.
Mit der Melodie kommt das Licht auf die Bühne und schließlich auch Andreas Konrad, Schauspieler und einziger Darsteller an diesem Abend. Es spielt das Theater Lakritz, „Der See von Asaka - die seltsame Geschichte einer Vergeltung" lautet der Name des Gastspiels; und so zogen am vergangenen Samstag- abend die Wirrungen und Irrungen der Japanischen Gespenstergeschichte in das Zwingenberger Keller- gewölbe ein.
Das Stück erzählt vom Schicksal des wunderschönen Jünglings Kijiro, dessen Eltern in bitterer Armut und Krankheit all ihr Hab und Gut verpfänden müssen, schließlich sogar das zauberkräftige Samuraischwert der Familie. Um ihnen zu helfen verkauft sich Kijiro an ein Männerbordell, verlässt den Ort und den Eltern bleibt zum Trost nur ein Bildnis ihres Sohnes, angefertigt durch den Maler des Dorfes. In dessen Haut schlüpft zum Beginn des Stücks auch Andreas Konrad, der, einem Geschichtenerzähler gleich, nur Stimmlage und Haltung verändert, um, auf der Bühne kniend mit gespenstisch weiß geschminktem Gesicht jede der Personen darzustellen.
Das Bühnenbild ist schlicht, nur ein Wandschirm, einige Podeste, ein Kissen und eine Stoffbande mit dem Portrait eines Mädchens darauf finden hier Platz. Von diesem Mädchen aber, Katsurako, weiß Andreas Konrad in der Rolle des Dorfmalers weiter zu berichten und erzählt, wie Kijiros Bildnis nach dem Raub- mord an seiner Familie in die Hände jenes Mädchens gelangt, das sich so sehr in den Jüngling verliebt, dass es krank vor Sehnsucht wird. Und während Kijiro sich aufmacht, um Unbei, den Mörder seiner Familie, zu fin-den und die schöne Katsurako auf ihn wartet, hilft Unbei seinem Bruder, einen „unbequemen" Ehemann zu erledigen, der als Geist zurück in die Welt der Lebenden kehrt um Rache zu nehmen.
So verschieden und verwirrend diese drei Erzählstränge auch zu sein scheinen sind sie doch auf wundersame Weise miteinander verwoben und führen zum Schluss gemeinsam zu einem märchenhaft schönen, überraschenden Ende.
Zwar spielen viele Personen eine Rolle in der schicksalsschweren Erzählung, dargestellt werden sie aber alle durch einen Schauspieler. So berichtet Andreas Konrad nur am Anfang aus der Sicht des Malers, wechselt dann den farbenprächtigen Kimono und wird selber Kijiro, schlüpft dann im wieder neuen Kostüm in die Rolle von Unbeis Bruder und stellt sogar einzelne Charaktere nur durch verschiedene Fächer dar.
Nicht nur die Fächer sind charakteristisch für bestimmte Personen, auch die Musik im Hintergrund lässt sich oftmals zuordnen. Zu Kijiro klingt stets die japanische Bambusflöte, gespielt durch Reinhard Völker, andere Personen werden durch den Laut der Klangschalen musikalisch dargestellt. Wenn Kijiro sogar im Kampf mit dem Samuraischwert auftritt spielt Dietmar Süß nicht nur die Trommeln, sondern lässt auch Bretter zerbrechen und Stöcke krachen. Auch lautes Wehklagen und Marktlärm werden eingespielt, sodass Andreas Konrad zwar alleine spielt, er auf der Bühne aber trotzdem nie alleine ist, auf ungestellte Fragen antwortet und halbe Dialoge führt, sich vor unsichtbaren Geistern bückt und unsichtbare Kehlen zerschneidet.
So fremdländisch diese Geschichte auch sein mag, so nahe wurde sie dem Publikum im Theater Mobile doch gebracht. Und das ist sicher eine beachtliche Leistung, hatte Regisseur Konrad Büttner als Vorlage schließlich nur eine Gespenstergeschichte und schrieb daraus ein Schauspiel. Auch musste das Stück von der neun Meter breiten Darmstädter Bühne, auf der es eigentlich „zu Hause" ist, für die schmale, aber tiefe Bühne des Theater Mobile regelrecht uminszeniert werden.Deshalb passierte auf der Bühne dann auch die ein oder andere kleine Panne, was der Vorstellung - und da waren sich die Zuschauer dem Applaus nach einig- aber keinen Abbruch getan hat.
Artikel des Bergstässer Anzeigers vom 17. November 2003
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